Materialstudie: Plastelüfter Dresden – Fa. Mietzsch, eine Handwerkergeschichte

Plastelüfter Dresden, eine Firmen- und Familiengeschichte

Die Bedeutung der Friedliche Revolution und Deutsche Einheit wird nur im Kontext mit der deutschen Nachkriegsgeschichte und der Geschichte einer 28jährigen Teilung Deutschlands verständlich. Deshalb zählen konkrete Schicksale, wie die des Betriebes Plastelüfter Dresden der Familie Mietzsch, zu interessanten Beispielen deutscher Geschichte.

SFD Dokumentation Plastelüfter Dresden Firma Mietzsch

Standbild Dokumentarfilmmaterial 1976

Für die Betrachtung der Geschichte gibt es einen glücklichen Fund im Bundesarchiv Filmarchiv. Die Staatliche Filmdokumentation der DDR drehte 1976 Filmmaterial inklusive Interviews im Unternehmen Plastelüfter Dresden. Dadurch sollte ein Beispiel für eine erfolgreiche Verstaatlichung eines Privatbetriebes, für spätere Zeiten, in einer kommunsitische Welt, dokumentiert werden . Die meisten der SFD Produktionen waren frei von DDR typischer Parteipropaganda. Deshalb genießen die Aufnahmen der SFD üblicherweise einen hohen authentischen Wert. Nicht so im Fall des Familienunternehmens Mietzsch aus Dresden. Das hat die Recherche im Rahmen der Materialstudie, welche durch die Förderung 25 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit möglich wurde, zum Vorschein gebracht. Demnach wurden 1976 falsche Aussagen gemacht, um Geschichte nach SED Vorgaben zu fälschen. Umfangreiche Recherchen der Akten im Bundesarchiv sowie Gespräche mit Zeitzeugen und Film-Interviews mit Familienangehörigen belegen das. Somit entstand jetzt eine wertvolle Materialstudie mit Zeitzeugeninterviews, die zukünftig der Forschung, der Bildung und für weitere Medienprojekte zur Verfügung steht.

Historischer Abriß der Firmengeschichte

Nach dem 2. Weltkrieg baute Rudolf Mietzsch den kleinen Familienbetrieb unter schwierigen Bedingungen wieder auf. Er und seine Mitarbeiter sind auf Baustellen von Rostock bis Dresden unterwegs. Seit 1945 überwiegend im Metallbau. Sie sind zum Beispiel im Zentrum der Stadt Dresden, am Wiederaufbau des weltberühmten Barockbaus Dresdner Zwinger, beteiligt.

Die Teilenteignung

Der Betrieb wächst und wird 1955 in die neu entstandene DDR Volkswirtschaft eingegliedert. Dadurch verliert Rudolf Mietzsch seine Eigenständigkeit für betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Nachfolgend wird der Betrieb durch das staatliche Planungswesen vereinnahmt und produziert von diesem Zeitpunkt an, nach Vorgaben der staatlichen Planungskommission. Von 1961 bis 1971 soll das Neue Ökonomische System der Leitung und Planung, kurz NÖS, die DDR Wirtschaft effektiver machen. Der Firma Plastelüfter Dresden wird der Vorwurf gemacht, den Plan nicht erfüllen zu können. 1972, mit der Machtübernahme an der DDR Spitze durch Erich Honecker, wird das NÖS wegen Erfolglosigkeit und Rohstoffmangel beendet. Viele Betriebe, die noch private Anteilseigner haben, werden vollständig verstaatlicht. Somit auch das Familienunternehmen, welches vorrangig Plastelüfter baut. Rudolf Mietzsch wird der Vorwurf gemacht, sich privat zu bereichern, statt die Arbeits- und Sanitärbedingungen im Betrieb zu verbessern. Ein haltloser Vorwurf denn längst lenkt die staatliche Planungskommission alle Vorgänge. Deshalb kontrollieren die DDR Staatsbank und weitere staatliche Organe ständig die Buchhaltung und Bilanzen im Unternehmen.

Die vollständige Enteignung

Dennoch wird der Unternehmer 1972 auf Druck der SED Bezirksleitung vollständig enteignet. Die SED setzt Genossen in der Betriebsleitung ein und untersagt Rudolf Mietzsch, seinen Betrieb zu betreten. 1976 erstellt die SFD, ein Berliner Filmstudio des DDR Staatsarchives, ein Filmdokument mit starken propagandistischen Zügen und inhaltlichen Falschaussagen.

1990 wird das Unternehmen reprivatisiert und arbeitet seither wieder unter Führung der Familie.

 

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